Interview mit Karolin Schnoor

Sie wurde in Berlin geboren, ging für ihr Studium nach London – und blieb. Jetzt arbeitet Karolin Schnoor, die ARTFLAKES heute zum virtuellen Kaffeeklatsch eingeladen hat, als freie Illustratorin in der trubeligen englischen Hauptstadt.

Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit und Inspiration, ihre Lieblingsschokolade und Künstler, die sie mag.

Seit wann und warum bist du künstlerisch tätig?
Ich habe gar nicht so viel gezeichnet bis ich in die Oberstufe kam und war glaube ich in erster Linie interessiert, weil Kunst als Unterrichtsfach so un-akademisch gegenüber den anderen Fächern war. Nach dem Schulabschluss habe ich erst einen Art Foundation-Kurs gemacht, was wiederum zu einem Uni-Abschluss in Illustration führte und jetzt sitze ich hier und arbeite bereits seit drei Jahren als freie Illustratorin. Ich bin auf den Geschmack gekommen!

Welche Art von Kunst machst du?
Am liebsten mache ich Illustrationen, arbeite aber auch an Design-Projekten wie Webseiten, Büchern und Postern.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Die meisten Arbeiten sind Aufträge und ich finde es auch einfacher, so zu arbeiten. Zu wissen, für wen das Bild entsteht ist ein sehr wichtiger Teil der Arbeit. Ich finde es aufregend, einen Zeitrahmen und Grenzen zu haben, innerhalb derer ich dann kreativ sein kann. Manchmal ist es fast schwerer, an persönlichen Projekten zu arbeiten, weil man da einfach zu viel Freiheit hat. Meine Inspiration entsteht also dadurch, dass ich mir eine bestimmte Situation anschaue und versuche, darin kreativ zu sein. Ich war allerdings auch schon immer von schönen Farbkombinationen und Mustern fasziniert, also hilft ein Besuch im Victoria & Albert Museum eigentlich immer, um die Ideen ins Rollen zu bringen.

Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei dir aus?
Ich habe mich glaube ich selbstständig gemacht, um diese 9-5 Routine zu vermeiden, aber jetzt habe ich sie mir quasi selbst auferlegt, weil ich sonst kaum etwas schaffe. An den meisten Tagen stehe ich auf, trinke eine Tasse Tee und lese meine Mails. Bequemlicherweise arbeite ich von zuhause, da dauert es nicht lange, sich für die Arbeit fertig zu machen. Zuerst versuche ich, alle admin/Korrespondenzen/Abrechnungen zu bearbeiten, damit ich mich dann ohne Ablenkung auf die Arbeit konzentrieren kann. Ich höre fast obsessiv Radio und Podcasts um mich bei Laune zu halten. Meine Lieblingstage sind die, an denen ich mehr Zeit mit Stift und Papier als mit dem Computer verbringe. Je nachdem wie es läuft, kann ich Aufträge tauschen, wenn ich irgendwie fest stecke. Ich beginne zwar jeden Tag zur gleichen Zeit, aber wie lange ich arbeite, hängt von der Auftragslage ab. An manchen Tagen bin ich schon um 15h fertig, manchmal sitze ich aber auch bis 22 Uhr am Schreibtisch, aber für gewöhnlich balanciert sich das alles aus. Und wenn die Woche nicht besonders hektisch und das Wetter gut ist, nehme ich mir auch schonmal einen Tag frei. Freiberufler zu sein hat auch seine Vorteile.

Wie verbringst du den perfekten Sonntag?
Mmh, das ist eine gute Frage! Ich habe vor kurzem vorgeschlagen, einen Internet-freien Sonntag einzuführen und wenn wir das wirklich durchziehen ist das toll. Das klingt vielleicht verrückt, aber für mich ist es sehr schwer abzuschalten, ich denke das passiert, wenn man von zuhause aus arbeitet. Tagsüber arbeitet man nicht immer so, wie man meint, es tun zu müssen. Aber wenn ich mal vom PC wegbleibe passieren die tollsten Dinge. Man kocht ein tolles Essen, liest oder geht vor die Tür! Jetzt wo das Wetter wieder besser ist könnte ein perfekter Sonntag einen Londoner Markt oder eine Ausstellung, die Sonntagszeitung und ein großes Frühstück beinhalten.

Welche Schokoladensorte magst du am liebsten!
Ehrlich gesagt mag ich Schokolade gar nicht so gerne. Auch als Kind war das schon so, auch wenn ich sie jetzt eher mag. Aber Schokoladen-Eis mochte ich schon immer, also wähle ich das.

Welche Schokoladensorte magst du am liebsten?
Das ist schwer… Ich glaube nicht, dass ich nur eines auswählen könnte. Am liebsten mag ich Bilder mit Text oder im Kontext, weshalb ich mir nicht sicher bin, ob ich ein Lieblings-Kunstwerk habe. Ich nehme lieber ein Buch, wenn das erlaubt ist: Ich bin mit der Ausgabe der Märchen der Gebrüder Grimm, 1963 illustriert von Werner Klemke aufgewachsen. Meine Erinnerungen daran sind noch sehr stark. Er war so ein toller Illustrator und sogar die kleinen Skizzen im Buch sind so temperamentvoll und die Farben sind sehr grafisch. Das Buch wird sogar noch gedruckt!

Wen sollten wir als nächstes interviewn?
Paul Blow, Romy Bluemel oder vielleicht Siggi Eggertsson? Ihre Sachen habe ich mir in letzter Zeit angeschaut, aber die Liste könnte noch viel länger sein!

Wenn du Kaffee mit einem berühmten Künstler – tot oder lebendig – trinken könntest, wen würdest du wählen?
Momentan wäre es wohl Coralie Bickford Smith, ich mag einfach alles was sie macht und es wäre toll, sie zu treffen. Ich bin mir sicher, dass sie außerdem gute Cafés kennt.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Ich hatte glaube ich noch nie bewusst eines. Offenbar übernehme ich die Ratschläge anderer – am häufigsten ist das wohl „entspann dich“, also versuche ich, das häufiger zu tun!

Dankeschön, Karolin!